Die Sterbephasen

Neu sind diese Gedanken nicht. Schon länger bekannt sind in Altenheimen und Kliniken die fünf Sterbephasen nach Elisabeth Kübler-Ross. Es geht hierbei ohne zwingende chronologische Abfolge um folgende Befindlichkeiten:

Nicht-wahrhaben-Wollen und Isolierung: „Nein, ich nicht“. Das ist eine typische Reaktion,
wenn der Patient erfährt, dass er oder sie tödlich krank ist. Verweigerung, so sagt Dr.
Kübler- Ross, ist wichtig und notwendig. Dieses Stadium trägt dazu bei, für das Bewusstsein
des Patienten die Erkenntnis zu lindern, dass der Tod unvermeidlich ist.

Zorn und Ärger: „Warum ich?“ Die Tatsache, dass andere gesund sind und am
Leben bleiben, während er oder sie sterben muss, stößt den Patienten ab. Gott ist ein
besonderes Ziel für diesen Zorn, da er als derjenige angesehen wird, der nach
Gutdünken das Todesurteil verhängt. Als Antwort für jene, die über die Behauptung
schockiert sind, dass solcher Zorn nicht nur erlaubt, sondern unvermeidlich sei, sagt Frau Dr.
Kübler-Ross bündig: „Gott kann das aushalten“.

Verhandeln: „Ja, ich, aber“. Die Patienten akzeptieren die Tatsache des Todes, aber
versuchen, über mehr Zeit zu verhandeln. Meistens verhandeln sie mit Gott, oft sogar
jene Menschen, die niemals zuvor mit Gott gesprochen haben. Sie versprechen, gut
zu sein oder im Tausch für noch eine Woche oder einen Monat oder ein Jahr des
Lebens etwas zu tun. Frau Dr. Kübler-Ross bemerkt: „Was sie versprechen, ist total
irrelevant, weil sie ihre Versprechen ohnehin nicht halten“.

Depression: „Ja, ich“. Anfangs trauert die Person um zurückliegende Verluste, um
Dinge, die sie nicht getan hat, um Fehler, die sie begangen hat. Aber dann tritt er oder sie
in ein Stadium der „vorbereitenden Trauer“ ein und bereitet sich auf die Ankunft des
Todes vor. Der Patient wird in der Stille reifer und möchte keine Besucher mehr. „Wenn ein
sterbender Patient niemanden mehr sehen möchte“, so sagt Dr. Kübler-Ross, „dann ist
das ein Zeichen dafür, dass er seine nicht beendete Beziehung zu dir beendet hat, und das ist
ein Segen. Er kann nun in Frieden die Dinge gehen lassen“.

Zustimmung: „Meine Zeit wird nun sehr kurz, und das ist in Ordnung so“. Die Autorin
beschreibt dieses endgültige Stadium als ein „nicht glückliches Stadium, aber auch kein
unglückliches. Es ist ohne Gefühle, aber es ist keine Resignation, es ist vielmehr ein Sieg“:
Gottes Hoffnung und geistlicher Weg.

Diese Stadien bieten einen sehr nützlichen Wegweiser, um die verschiedenen Phasen, die ein sterbender Patient durchlaufen kann, zu verstehen. Sie sind nicht absolut; nicht jeder geht durch jedes Stadium in dieser exakten Folge und mit vorhersehbarer Geschwindigkeit. Aber dieses Paradigma kann, wenn es in einer flexiblen und Einsicht hervorbringenden Weise benutzt wird, ein wertvolles Werkzeug beim Verständnis dessen sein, warum ein Patient sich so verhält, wie er es tut.