Im Sterben nicht allein lassen

Vorsorge und Hilfen bei Gesundheitseinbrüchen

von Willi Löhr, Oberzissen

Krankheit und Leid gehören zum Menschsein. Für lebensbedrohlich schwer Erkrankte sind in jüngster Zeit palliative Schmerztherapie und Hospize aufgebaut und entwickelt worden. Präventologe Willi Löhr lenkte bei der -Tagung „Zielorientiert Leben“ in seinem Referat „Vorsorge und Hilfen bei Belastungen und Gesundheitseinbrüchen“ den Blick auf die neue Methode des „Spiritual Care“, die die menschlichen Kräfte erfahren lassen will, die unser Leben tragen. Die Behandelnden können aber die Seelenlage der Schwerkranken nur dann erfassen, wenn sie deren Notlagen auch bei sich selbst zulassen und nicht verdrängen. Nur solchermaßen zwischenmenschlich kommunizierendes Sterben ist würdiges Sterben. Eine wirksame Schmerzbekämpfung ist geboten. Hier die Ausführungen Willi Löhrs, die der Redaktion nur aus Power-Point-Titeln vorlagen und hier in einen kontinuierlich lesbaren Text ausformuliert wurden; soweit sich Änderungen zum gesprochenen Wort ergeben, wird um Verständnis gebeten.

„Es gibt tausend Krankheiten, aber nur eine Gesundheit", umschreibt treffend die Biographie von lange lebenden Menschen. Krankheit macht uns ängstlich. Leid und Katastrophen sind aber oft nicht aus der Theorie zu verstehen oder zu beantworten. Viele offene Fragen bleiben unbeantwortet. Menschliches Leid steht täglich vor unserer Tür. Nachrichten, Internet, tägliche Negativ-Informationen können uns krank machen. Leid begegnet uns in vielen Facetten.

Leid verbinden wir auch mit den Begriffen „Hospiz“ und „Palliativhilfe“. Was wissen wir darüber? „Hospiz“ und „Palliative Care“ haben sich als Begriffe in den letzten Jahren etabliert. Neu in der Arbeit mit unheilbar Kranken und Sterbenden wird jetzt die Methode „Spiritual Care“ entwickelt und eingeführt. Hierzu einige Hinweise: Unter Spiritualität verstehen wir die lebendige Beziehung eines Menschen zu dem, was sein Leben trägt, kräftigt und erfreut. Negative Impulse werden eher ausgeschlossen. Spiritualität ist vergleichbar der lebendigen Bewegung des Ein- und Ausatmens. Der Atem Gottes (nach „pneuma“ für heiligen Geist) steht für jene Kraft, die dem Menschen Leben in einem umfassenden Sinn schenkt.

Dieses In-Beziehung-Stehen zu den humanen Kraftquellen, hierfür ansprechbar zu sein und auch einen Ansprechpartner zu haben, ist in der alltäglichen Arbeit wichtig. Mit seiner besonderen Achtsamkeit dem Leidenden gegenüber kann der Begleiter das Geheimnis des Todes für sich immer wieder neu entdecken. Er kann den anderen jedoch nur so weit begleiten, als er selbst sich dem eigenen Tod zu stellen bereit ist. Spirituelle Sorge meint also: Wir sorgen uns um die Seele des Menschen, des anderen wie um unsere eigene.
Spirituelles Wachsen heißt: Ich erkenne mich selbst und das Mitgefühl für den „Anderen“. Die Beziehung zum Gegenüber wird als Prozess durchlebt.